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„Frauenfußball war schon immer ein Kampf um Anerkennung und Respekt.”

Während Männerligen mit Statistiken und Sichtbarkeit glänzen, müssen sich Frauenfußball-Fans oft mühsam Infos zusammensuchen. 
Daria versucht mit @dieligalebt diese Lücke zu schließen. Ein Gespräch über fehlende Wertschätzung, Feminismus im Sport und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Autorin: Ella Papen
Foto: Privat, Grafik: Kim Becker

Was ist dieligalebt?Daria: Das Projekt ist aus der eigenen Not heraus entstanden. Ich habe so viel Interesse am Frauenfußball, aber es fällt schwer, an Infos zu kommen. In anderen Ländern gibt es viele coole Creator, die nice Sachen zu dem Thema machen. In Deutschland gab es das noch nicht wirklich. Das Ziel und die Vision sind also: Infos zugänglich machen und den Sport den Leuten näherbringen. 

Du betreibst einen Instagram-Account, eine Webseite, auf der du Artikel veröffentlichst, und einen Podcast über Frauenfußball. Außerdem bist du Social-Media-Redakteurin beim sportstudio. Wie bekommst du alles unter einen Hut?Die Arbeit für das sportstudio ist mein Fulltime-Job. Seither ist es schwieriger geworden, Beiträge für dieligalebt zu erstellen, gerade auf der Website. Zurzeit schaffe ich bei weitem nicht so viel, wie ich gerne würde. Es gibt Themen, die eher dieligalebt-Themen sind, und andere, die ich gerne im sportstudio einbringen möchte. Als das sportstudio mir den Job anbot, war mir klar, dass ich nicht immer nur kritisieren kann, dass Frauensport in den Öffentlich-Rechtlichen zu wenig thematisiert wird. Deshalb habe ich die Chance genutzt, selbst etwas daran zu ändern.

Wie recherchierst du für die dieligalebt?
Dass ich allein bin und mich nicht erst in einer Redaktion absprechen muss, macht es leichter. Die Infos bekomme ich eigentlich immer am schnellsten von den Social-Media-Kanälen der Vereine oder den Spielerinnen selbst. Ansonsten muss ich viel Zeit in Deep Dives im Internet investieren.

Das klingt, als gäbe es Hindernisse bei der Informationsbeschaffung…
Gerade die Datenbeschaffung ist eine riesige Herausforderung. Der DFB führt einige Saisons gar nicht auf der eigenen Webseite auf, sondern hält sie unter Verschluss. Statistiken auswerten und vergleichen, wie bei den Männerligen, ist deshalb oftmals nicht möglich. Bei den Männern sind Rekorde beispielsweise ganz einfach herauszufinden. Bei den Frauen muss man davon ausgehen, dass die Daten fehlen oder dass ein Rekord bereits zuvor gebrochen wurde, aber ohne dass das jemand mitbekommen und dokumentiert hat. Es ist einfach schade, dass nicht mal die Aufstellungen und geschossenen Tore einsehbar sind. Das schränkt meine Arbeit ziemlich ein. Nicht nur, dass es mehr Zeit beansprucht, ich muss auch andere Quellen nutzen. Manche Webseiten haben die Daten und andere, eigentlich verlässlichere Quellen, wieder nicht. Das macht es schwierig, zu bestimmen, welchen Quellen ich vertrauen kann und welchen nicht.

Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit die Liga mehr Anerkennung und Sichtbarkeit bekommt?
Es braucht mehr Gleichberechtigung! Vor allem von Vereinsseite muss man merken, dass Frauenfußball eine echte Wertschätzung erfährt. Dass er als genauso wichtig angesehen wird wie der Männerfußball – und das nicht nur, weil sie es müssen. Bei vielen Vereinen merkt man diese Haltung leider deutlich.
Im Austausch mit Spielerinnen und Mitarbeiter*innen der Vereine bekomme ich teilweise echt unfassbare Dinge mit. Auch in den Nachwuchsleistungszentren werden die Ressourcen ungerecht verteilt. Aber es sind auch strukturelle Probleme vom DFB aus. Einige Vereine haben sich deshalb bereits zusammengeschlossen, um Reformen voranzutreiben und sich eventuell vom DFB zu lösen. Eine Unabhängigkeit von diesem großen Verband, der Frauenfußball mehrere Jahrzehnte verboten hat und auch heute nicht in der Lage ist, richtig darin zu investieren, könnte den nötigen Aufschwung geben. 

Alles ist politisch, das Private ist politisch und auch Fußball ist politisch.”

Welche Rolle spielt Feminismus in deiner Berichterstattung?
Es hat eigentlich immer damit zu tun. Alles ist politisch, das Private ist politisch und auch Fußball ist politisch – auch wenn es viele nicht gerne hören wollen. Jede einzelne Entscheidung, egal wie unpolitisch sie sich anfühlt, ist politisch, auch im Fußball.
Frauenfußball war schon immer ein Kampf um Gleichheit, um gesellschaftliche Anerkennung und um Respekt. Es macht viel mit Mädchen und Frauen, wenn sie Sport machen und merken: „Hey, ich kann was, ich bin stark, ich habe Macht, mein Körper ist leistungsfähig!“. Mädchen werden eher davon abgehalten, dieses Gefühl zu entwickeln und sich stark zu fühlen. Deshalb ist es mir ein Anliegen. diese Vorbilder sichtbar zu machen. 

Welche positiven Entwicklungen im Frauenfußball konntest du in den letzten Jahren beobachten?
(lacht) Schwierige Frage. Der große Push war die EM 2022, ganz klar. Man hat gesehen, dass die Stadien sich füllen und dass der Onkel am Familientisch sagt: „Die EM habe ich auch gerne geschaut, die spielen ja schönen Fußball“. Die Akzeptanz und das Interesse sind generell größer geworden. In den Redaktionen bemerke ich auch eine leichte Veränderung. Frauenfußball gerät mehr in den Fokus, gerade jetzt vor der EM dieses Jahr in der Schweiz.
Dennoch merkt man oft, dass Frauenfußball viele antifeministische Strömungen anzieht. Deshalb ist es super gut und wichtig, dass die Sichtbarkeit höher ist. Allerdings ist echt noch einiges zu tun. 

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